Sender: Das Erste(=ARD *g*)
Datum: Heute(= 20.06.2005)
Wann: 21:45 - ca. 22.30 Uhr
H. Geheimwaffen: Raketen für die Sieger
Eine V2-Rakete wird auf einem Platz in Reims (Frankreich) öffentlich ausgestellt.
"Was sollte ich denn nach dem Krieg als Aerodynamiker in Deutschland tun - vielleicht aerodynamische Nachttöpfe entwickeln?"
Der Ausspruch eines der führenden deutschen Ingenieure ist seinem späteren Kollegen Wladimir Orlow bis heute unvergessen.
Ein "Dilemma" für die meisten deutschen Flugzeug- und Raketenspezialisten.
Dass in der Ruinenlandschaft Nachkriegs-Deutschlands für die nächsten Jahre kein Bedarf an derartigen Spezialisten bestehen würde, war offensichtlich.
Also begannen die ehrgeizigen Männer, die noch bis vor kurzem so genannte "Wunderwaffen" entwarfen und sich mehr oder weniger
fanatisch für "Führer, Volk und Vaterland" den Kopf zerbrachen, sich nach Alternativen bei den Siegermächten umzusehen.
Zugleich waren die deutschen Spezialisten und ihr damals weltweit einmaliges Know-how bei den Siegermächten hoch begehrt.
Mit lukrativen Angeboten zogen eigens geschaffene Rekrutierungstrupps schon in den letzten Kriegswochen
durch das zerstörte Land und fahndeten gezielt nach den deutschen "Brains" und ihren Geheimwaffen.
Besonders erfolgreich operierten dabei die US-Headhunter und ihre sowjetischen Konkurrenten.
Versprechen, Druck und Kidnapping
Verlockende Versprechen einerseits, Druck und sogar Kidnapping andererseits
- jedes Mittel schien recht, um den Wettlauf der Sieger um das deutsche Know-how zu gewinnen.
Spektakulärer Höhepunkt dabei: der Coup der Sowjets am 22. Oktober 1946.
In einer Nacht- und Nebelaktion trommelten sie gleich mehrere Tausend deutsche Spezialisten früh morgens aus den Betten.
Überall in der SBZ das gleiche Prozedere. Dolmetscher erklärten den überraschten Deutschen,
dass sie in die Sowjetunion abtransportiert würden, um dort mehrere Jahre zu arbeiten.
Sie könnten Frau und Kinder mitnehmen und so viel Gepäck, wie sie wollten. Sicherheitshalber waren die Häuser umstellt ... Kein Entkommen.
Die Westalliierten gingen ähnlich vor. Die Aktion der Amerikaner unter der Bezeichnung "Paperclip"
war zwar etwas weniger gewaltsam, aber nicht weniger generalstabsmäßig angelegt.
Auch französische und britische Headhunter rekrutierten deutsche Spezialisten.
Komfortable Forschungsbedingungen im Ausland
Wernher Freiherr von Braun erklärt die Funktion eines Raketen-Raumschiffs an einem Modell.
Die Deutschen wussten um ihren Wert - und das Schicksal anderer, "normaler" Kriegsgefangener, das sie auf jeden Fall vermeiden wollten.
Also erklärten sich die meisten gerne bereit, unter entsprechend komfortablen Bedingungen
die einst von Goebbels propagierten V-Waffen nun für die Siegermächte weiterzuentwickeln.
Wernher von Braun, der Spiritus Rector des V2-Raketenprogramms, hatte sich bereits vor Kriegsende der US-Army gestellt.
Den Sowjets gelang es, Helmut Gröttrup, von Brauns Stellvertreter, abzuwerben …
Teil zwei der Doku-Reihe "H. Geheimwaffen" rekonstruiert das Schicksal einiger der ehemals führenden deutschen Spezialisten,
die sich nach Kriegsende in den Dienst der jeweiligen Sieger stellten und für diese ihre Waffentechnologien fortentwickelten - bis sie bzw. ihre
Waffen schließlich bei dem nächsten großen internationalen Konflikt, dem Koreakrieg, wieder aus unterschiedlichen Richtungen aufeinander trafen.
Ein Film von Martin Hübner